Alle Wochen wieder krümmen wir Frauen uns vor Schmerz und das lästige Bauchweh begleitet uns den lieben langen Tag. Eine absolut unnütze Erfindung von Mutter Natur, wie ich finde. Mein Frauenarzt ist derselben Meinung und verschrieb mir deshalb bereits vor Jahren eine Anti-Baby-Pille, die für Wohlbefinden den ganzen Monat und das ganze Jahr über sorgen sollte. Und tatsächlich, die „Tage des Horrors“ blieben aus. Welch‘ Freude, endlich unbeschwert Schwimmbadbesuche und Urlaube planen, ohne Rücksicht auf Verluste. Auch das Liebesspiel mit dem Gatten wurde spontaner und so entdeckten wir eine gemeinsame Freude an… Nein, das würde nun doch etwas zu weit führen, oder? Geheimnisse einer Ehe und so. Meine Hormone waren gezähmt, die Kinderplanung abgeschlossen und meine Umgebung atmete deutlich hörbar auf. Die Zeiten wechselnder Launen und der schlechten Stimmung gehörten endlich der Vergangenheit an.
Abnehmen und der Hormonhaushalt
Meine Diät machte weiterhin mäßige, aber doch stetige Fortschritte und so verabschiedeten sich immer mehr überflüssige Kilos, das Wunschgewicht rückte in greifbare Nähe. Ich fühle mich wohl und ich darf so bleiben, wie ich bin. Oder? Auf einmal, von heute auf morgen, streikt meine Verdauung und ich kann kaum schlafen, da meine Oberweite spannt, als ob sie über Nacht von Körbchengröße A auf Doppel-D angeschwollen wäre. Schön wäre es! Dem ist aber nicht so! Auch mein Appetit gleicht mit einem Mal eher dem eines Bauarbeiters als dem einer mehr oder weniger zierlichen Frau. Doch wäre das nicht schon längst genug, plagen mich Stimmungsschwankungen vom Feinsten. Ich meckere meinen Geliebten an, er kann mir so gar nichts recht machen. Das Allerschlimmste: Ich mag mich selbst nicht mehr leiden, fühle mich schlecht, dick, ungeliebt und einfach hässlich. Was ist denn nur los mit mir?
Hormone und Frauen – eine echte Hassliebe
Schön langsam lässt sich der Gedanke einfach nicht mehr verdrängen… Was wäre wenn? Nein, das kann nicht sein, denn die Pille ist so sicher und überhaupt, ich und… Nein, das kann nicht sein. Sofort spuken mir furchtbare Bilder im Kopf herum: Ich mit einem enormen Babybauch und zwanzig Kilo mehr auf den Rippen. Schöne Ernährungsumstellung, auf Nimmerwiedersehen, es war nett, Dich kennenzulernen. Brüste, so groß wie das Euter einer Milchkuh, hängen mir dank der Schwerkraft bis in die Kniekehlen und das Bindegewebe gibt den Kampf gegen die neuen Rundungen endgültig auf. Ein Alptraum, doch meine Launen, der steigende Appetit, die immerwährenden Heißhungerattacken und das unangenehme Brustspannen – ich komme mir vor wie in einem schlechten Film. Kann es tatsächlich möglich sein? Ich muss sterben. Jetzt. Sofort.
Entwarnung, die Erste!
Der weltbeste Gynäkologe gibt jedoch Entwarnung. Vorerst. Natürlich könnte ich noch einmal ein Kind bekommen, aber ich müsste ja nicht unbedingt, so beruhigt er mich. Mich, das schluchzende Elend, das zusammengekauert vor ihm auf dem Sessel des Grauens hockt und herzerweichend heult. Durch den Tränenschleier nehme ich doch irgendwann seine „Diagnose“ wahr und blinzle heftig: Ich werde doch nicht aussehen wie ein Elefant, der kurz vorm Platzen ist? Halleluja! Das heißt, ich muss nicht ins Kloster und eine neue Identität annehmen? Und ich muss auch nicht meine lieb gewonnene Garderobe an Obdachlose verschenken, da mein Leben ja doch noch einen Sinn zu machen scheint? Juchhuuuu! Scheinbar sind die Hormonschwankungen mehr oder weniger normal, wenn man über einen längeren Zeitraum abnimmt und Gewicht verliert. Kleine Helferlein in Form von bunten Pillen sollen dafür sorgen, dass der Spuk bald vorbei ist und mein Hormonhaushalt wieder in geordneten Bahnen verläuft. Und auch den klitzekleinen und süßen Strampler, den ich im absoluten Hormonrausch und der Panik nahe erstanden habe, kann ich getrost wieder wegpacken. Denn ein Baby, das wäre doch jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt und überhaupt… und sowieso… oder doch?
Eure Conny

















